23. Januar 2017

Bin ich bereit?

Schon lange schiebe ich die Idee vor mir her, mich als Fotografin selbstständig zu machen. Allein bei dem Gedanken, nicht mehr pünktlich am Ende des Monats den Lohn überwiesen zu bekommen, gruselt viele Menschen. Ich bin auch immer noch unsicher, aber ich weiß, dass ich es versuchen muss, weil ich mir sonst mein Leben lang Vorwürfe mache.

Seit Jahren bin ich in meinem gelernten Beruf nicht glücklich, auch wenn mir kaufmännische Tätigkeiten gut von der Hand gehen. Es fehlte mir positiver Umgang mit Menschen und Kreativität. Ich fand keine Lösung. Welche Alternative habe ich mit 40 Jahren, noch einmal umzusatteln, neu anzufangen? Schließlich gilt es 3 Kinder großzuziehen. Wie vielen Menschen geht das wohl so? Und wie traurig sind berufliche Fehlentscheidungen. Ich fragte mich selbst nach meinen Talenten. Was kann ich gut? Worin bin ich gut? Ich muss einen Weg aus der Sackgasse finden.

Ich kennen meine Stärken – und meine Schwächen. : ) Es muss mit Menschen zu tun haben, ich möchte sie glücklich machen, ihnen etwas geben. Ich rede so gern mit Menschen und lerne über sie. Ich gebe auch gerne mein Wissen weiter und lasse andere daran teilhaben. Ich liebe Kinder! Diese Unschuld – diese gerade heraus sprechenden kleinen Persönlichkeiten, manchmal auch schüchtern und ängstlich, so wie meine Kinder (außer wenn sie zu Hause sind). Zu Kindern habe ich einen guten Zugang. Ich nehme sie ernst und hocke mich zu ihnen runter, wenn ich mit kleinen Kindern rede. Sie fühlen sich von mir verstanden, sie finden Vertrauen. Das hilft mir hoffentlich, wenn ich sie fotografisch portraitieren möchte. Ihre Persönlichkeit darstellen im Bild – ein hoher Anspruch.
Und plötzlich war sie da: die Idee. Fotografin. Keine Ahnung, wie es kam, was gab mir den Anstoß? Wie kam ich darauf? Ich weiß es leider nicht mehr, aber es war, als wären mir die berühmten Schuppen von den Augen gefallen. Ich wusste, DAS ist es und nichts anderes. Von dem Tag an und das ist sicher gut 3-4 Jahre her, arbeitete ich auf den Tag hin, an dem ich mich als Fotografin selbstständig machen würde. Ich kenne mein bildnerisches Talent, schon als Kind zeichnete ich ohne Ende. Menschen, immer wieder Menschen. Als meine Kinder geboren wurden, fotografierte ich sie, überall und ständig. Schöne Fotografien ziehen mich in ihren Bann. Ich lernte und studierte im Selbststudium – man kann Berge versetzen, wenn man weiß, was man will.
Als in den letzten Monaten in meinem persönlichen Leben sich einige Dinge unfreiwillig änderten, war die Gelegenheit da. Alle meine Freunde und Verwandten stehen hinter mir, drücken mir die Daumen. Sie glauben an mich. Was für ein schönes Gefühl.

Und nun? Ich schmeiße mich ins kalte Wasser. Heute las ich im Blog einer sehr guten Fotografin das Zitat:

„Fang an, bevor du bereit bist“.

Ich warte nicht mehr länger auf den passenden Moment, bis ich mir ganz sicher bin, nein ich lege los.

Fotografin aus Leidenschaft.

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